Temple of Set

Post Office Box 470307
San Francisco, CA 94147
U.S.A
Email: ed@xeper.org

Allgemeine Informationen und Zugangsbedingungen

Updated: 2009 CE

Danke für Ihr Interesse. Der Tempel Sets ist eine Institution, die keiner gleicht, die Sie bisher kennengelernt haben. Bevor Sie eine informierte Entscheidung über einen möglichen Beitritt treffen können, sollten Sie sich mit der Geschichte des Tempels auseinandersetzen, seinen grundlegenden Ideen, seinem heutigen Aufbau und Programm und mit den Vorteilen und Verpflichtungen, die jeder Setianer übernimmt.

Geschichte des Tempels

Der Tempel Sets als Organisation wurde formell im Jahr 1975 gegründet. Seine magischen und philosophischen Wurzeln aber sind prähistorisch und entspringen der ersten Erkenntnis der Menschheit, dass an der menschlichen Rasse "irgendetwas anders" ist—einem Gefühl des Selbstbewusstseins, das die Menschheit von allen anderen bekannten Arten des Lebens unterscheidet und auszeichnet.

Antike Religionen—von denen jene aus Ägypten zu den ältesten gehören—verehrten dieses Selbstbewusstsein entweder oder fürchteten es. Die, die es verehrten, vertraten die Position, dass die menschliche Psyche die Fähigkeit besitzt, sich den Kräften der Natur zu widersetzen und diese zu beherrschen. Die, die es fürchteten, warnten den Menschen, dass eine solche Anmaßung der Unabhängigkeit sündig und gefährlich sei. Deshalb, so sagten sie, sollte dieser "Wille zur Macht" unterdrückt, sublimiert—und, wenn nötig, bestraft und ausgerottet—werden, damit die Menschheit zu einem edenartigen "Naturzustand" zurückkehren möge. Dann wären wir frei von der Last, auf Basis einer persönlichen Erkenntnis von "Gut" und "Böse" Verantwortung für unsere Entscheidungen, Urteile und Taten übernehmen zu müssen.

Die Religionen, die die Psyche verehrten, waren intellektuell anspruchsvoller als jene, die die Natur verehrten. Es ist schwieriger, sich mithilfe der Vernunft einen Pfad durch seine bewusste Existenz zu bahnen als sich in einem halb-rationalen Strom von Reizen und Reaktionen treiben zu lassen. Die vernunftbasierten Religionen—oder Schulen initiatorischer Philosophie—erreichten ein Niveau abstrakten Wissens, das sie den Massen mysteriös erscheinen ließ. In einigen wenigen Gesellschaften, wie zum Beispiel Ägypten und Griechenland, wurden solche Gruppen respektiert und bewundert. Häufiger aber machten ihr exklusiver Elitarismus und ihre "übernatürlichen" Aktivitäten sie zum Gegenstand von Ablehnung und Verfolgung.

Zu einem gewissen Grad setzten alle philosophischen Schulen ein Psyche-zentrisches Bewusstsein voraus. Es gab aber nur sehr wenige, die es offen und explizit zum Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit machten. Die "Götter" solcher Schulen sind uns als Symbole dessen überliefert, was die meisten westlichen Religionen (die das Nicht-Bewusstsein verehren) als das absolute "Böse" betrachten: der Fürst der Finsternis in seinen vielen Erscheinungsformen. Von diesen ist Set die älteste—seine Priesterschaft kann bis in prädynastische Zeiten zurückverfolgt werden. Man hat Bilder Sets bis auf ca. 3200 v.u.Z. datiert und basierend auf astronomischen Berechnungen werden einige Inschriften sogar auf ca. 5000 v.u.Z. geschätzt.

Die ursprüngliche Priesterschaft Sets überlebte fünfundzwanzig Dynastien (ca. 3200-700 v.u.Z.). Sie war eine der beiden zentralen Priesterschaften in prädynastischen Zeiten. (Die zweite war jene von HarWer—"Horus dem Älteren"). Die Vereinigung Ägyptens unter beiden philosophischen Systemen resultierte darin, dass die Nation als die "Zwei Königreiche" bekannt war und ihre Pharaonen die berühmte "Doppelkrone" von Horus und Set trugen.

Set war ursprünglich eine zirkumpolare/den Sternen zugeordnete Gottheit und wurde als das zyklische Gegenstück zum sonnenbezogenen Horus porträtiert. Später wurde er von den Kulten von Osiris und Isis in die Rolle eines bösen Prinzips gedrängt. Während der XIX. und XX. Dynastien kehrte Set als Patron der Pharaonen zurück, aber in der XXV. Dynastie (ca. 700 v.u.Z.) führte eine neue Welle osirischer Verfolgung zur endgütigen Zerstörung der ursprünglichen Priesterschaft Sets. Als die Hebräer in der XIX. Dynastie aus Ägypten emigrierten, trugen sie jedoch eine Karikatur Sets mit sich: "Satan" (möglicherweise abgeleitet vom hieroglyphischen "Set-hen", einem der formellen Titel des Gottes).

Ursprünglich eine Art "Rache-Engel für YHVH", wurde der hebräische Satan vom Christentum zu einer Personifikation von allem gemacht, was Gott nicht ist—und da Gott "gut" sein sollte, war Satan notwendigerweise "böse". Faszinierende oder mysteriöse Gottheiten aus Religionen, die mit dem früheren Christentum konkurrierten—wie zum Beispiel den hellenischen/römischen Mysterien und dem persischen Mithras-Glauben—waren ebenso "böse". Daher wurde der christliche Satan mit vielen ihrer Charakteristika ausgestattet, wie zum Beispiel Pans Hörnern und gespaltenen Hufen. Nicht-christliche Gottheiten wurden generell als christliche "Dämonen" neu definiert und bekamen einen Platz in der christlichen "Hölle" (ebenso ein Name, der gestohlen und pervertiert wurde, diesmal aus der antiken nordischen Mythologie).

Entgegen den Behauptungen christlicher Propaganda gibt es keine Aufzeichnungen über einen wirklichen "satanischen religiösen Untergrund" in all den Jahren der christlichen europäischen Geschichte. Der Mythos eines solchen "Hexenkults" wurde jedoch von den christlichen Kirchen verbreitet und aktiv dafür benutzt, ihre Anhänger zu stillem Gehorsam zu terrorisieren und diejenigen, die sich nicht einschüchtern ließen, zu eliminieren. Die Zahl der angeblichen "Satanisten", die im Europa des Mittelalters und der Renaissance gefoltert und verbrannt wurden, lässt sich nicht genau bestimmen, aber Schätzungen belaufen sich auf bis zu 13 Millionen. Die schrecklichen Folterwerkzeuge von nahezu unfassbarer Grausamkeit sind heute noch in vielen europäischen Museen zu sehen, und detaillierte Aufzeichnungen von den "Gerichtsverhandlungen" und "Geständnissen" der Opfer liegen in beschämender Menge vor.

Fälle von Folter, Mord und genozidaler Vernichtung von "Ungläubigen" und "Heiden" in anderen Teilen der Welt gibt es ähnlich viele—zusammen geben sie ein Zeugnis für das abstoßende Erbe der größten monotheistischen Religionen der Welt ab. Man muss sich auch vor Augen halten, dass das "tolerantere" Klima der modernen Zeiten nicht auf den Wunsch der konventionellen Kirchen selbst entstand. Vielmehr war der Grund ihre steigenden Ablehnung durch eine Menschheit, die von Religionskriegen und der mutwilligen Grausamkeit solcher Einrichtungen wie des "Heiligen Offiziums" (besser bekannt als die Inquisition) genug hatte.

Die "Aufklärung" des 17. und 18. Jahrhunderts war erfolgreich darin, das Christentum—den vorherrschenden Monotheismus Europas—auf ein weltliches, moralisches Propagandawerkzeug zu reduzieren. Trotzdem war es erst im späten 19. Jahrhundert, dass man anfing, die sogenannten "Schwarzen Künste" zu tolerieren, und auch dann nur in ihrer einfachsten und sozial unauffälligsten Form. Aus der Freimaurerei entstand ein Zweig der zeremoniellen Magie—die Rosenkreuzerei -, der sich zur Rosicrucian Society of England (S.R.I.A.) und später zum berühmten Hermetic Order of the Golden Dawn (G.'.D.'.) weiterentwickelte.

Im Jahre 1904 verließ ein Adept des G.'.D.'. namens Aleister Crowley den im Zerfall befindlichen Orden, um seinen eigenen Orden des Astrum Argenteum (A.'.A.'.) zu gründen. Zur Philosophie des G.'.D.'., die auf Rosenkreuzertum und zeremonieller Magie beruhte, fügte Crowley zuerst eine starke Betonung des Erreichens des höchsten Grades des Selbstbewusstseins ("Knowledge and Conversation of the Holy Guardian Angel") und später die freimaurerischen/sexualmagischen Praktiken des deutschen Orden der Orientalischen Templer (O.T.O.) hinzu. Diese Praktiken, zusammen mit seinem schillernden Lebensstil, machten Crowley in einer breiten Öffentlichkeit berühmt-berüchtigt. Seine Organisationen überlebten seinen Tod im Jahre 1947 nur in stark fragmentierten und doktrinal simplistischen Splittergruppen.

1966 gründete ein Magier aus San Francisco namens Anton Szandor LaVey die "Church of Satan" als ein Medium für das Studium der Schwarzen Künste und als Ausdruck der Empörung, als Zurückweisung der religiösen Scheinheiligkeit der konventionellen Gesellschaft. Dieser Augenblick markiert die Schöpfung des Satanismus als eigenständige Religion. In der Öffentlichkeit war ihr "Satan" nicht die böse Vogelscheuche des christlichen Mythos sondern vielmehr ein Vorkämpfer gegen die Scheinheiligkeit—ein Kreuzfahrer gegen die Korruption und den moralischen Bankrott der Gesellschaft, die LaVey zu großen Teilen dem Christentum anlastete. In einem weiteren, privateren Kontext verstand die Church of Satan ihren Satan als authentische metaphysische Erscheinung: keine böse Gestalt sondern eine unabhängige, selbstbewusste und kreative—ein wahrer Fürst der Finsternis entsprechend der Bilderwelt von Milton, Blake, Baudelaire und Twain.

Die Church war in den ersten vier Jahren hauptsächlich ein Phänomen San Franciscos. Von 1970-1974 breitete sie sich über die Vereinigten Staaten und Kanada aus. Es entstanden lokale "Grottos" unter der Leitung der satanischen Priesterschaft, derPriesterschaft von Mendes (benannt nach einer Stadt im ptolemäischen Ägypten, deren hedonistische Feste von der prüden frühen christlichen Kirche als besonders skandalös empfunden wurden).

Die Einstellung der Church of Satan gegenüber Magie war pragmatischer und utilitaristischer als die solcher mystisch-basierter Organisationen wie des G.'.D.'. und des A.'.A.'. Sie sah keine Notwendigkeit für erschöpfende Studien der oft inkohärenten und inkonsistenten Konzepte der Kabbalah, noch sah sie eine besondere Bedeutung in Sex-Magie. Stattdessen wählte sie den Ansatz, sich den okkulten Künsten und Wissenschaften rational und sogar wissenschaftlich zu nähern. Magische Riten, die einfach, direkt und wirkungsvoll waren, wurden unter Verwendung von Ockhams Rasierklinge entworfen und durchgeführt.

Grundsätzlich war die Church damit erfolgreich. Allerdings führte der grundlegende Nihilismus und die negative Besetzung ihrer religiösen Bildersprache zu ständig größeren Schwierigkeiten. Sie konnte der selbstauferlegten Einschränkung nicht entkommen, "anti-christlich" zu sein in einer Gesellschaft, in der das Christentum (und sein Konzept von Satan als "böse Vogelscheuche") eine überwältigende Vorherrschaft hatte. Zugleich begann sie sich sogar durch ihre eigene Neudefinition des Satanismus eingeengt zu fühlen, da die Parameter von Philosophie und Metaphysik weit über die konzeptionellen und symbolischen Grenzen der jüdisch/christlichen Tradition hinausgehen.

Die satanische Religion hat das Ziel, das Individuum zur persönlichen Gottheit zu erheben, frei von der Versklavung durch einen anderen "Gott" [oder Götter]. Leider ist dies nicht nur eine Frage der Macht sondern auch von Ethik, Moral und psychologischer Reife. Die Grundlagen der Church of Satan—dargelegt in LaVey's Buch The Satanic Bible von 1969—wurden von einigen als Basis für metaphysisches Wachstum verwendet, von anderen jedoch lediglich als Ausrede für egoistische Verantwortungslosigkeit. Die Churchlitt periodisch unter Krisen über unwichtige Dinge und Skandalen innerhalb der allgemeinen Mitgliederschaft. Letztendlich verlor Anton LaVey das Vertrauen auf ihre Funktionsfähigkeit als Organisation. Im Jahre 1975 traf er die Entscheidung, sie neu zu definieren—als Vehikel, um sich persönlich zu profilieren und zu bereichern. Bis zu seinem Tod 1997 bewarb er sie zynisch weiterhin als "Religion" und verkaufte unter diesem Deckmantel "Mitgliedschaften" und "Priesterämter".

LaVeys Korruption der Church of Satan wurde von der Mehrheit der Priesterschaft entschieden zurückgewiesen, die als Protest auf der Stelle aus der Church austrat und ihr von diesem Moment an die Legitimität als authentische satanische Religion aberkannte. Auf der Suche nach einem neuen Mandat zur Erhaltung und Weiterführung der edleren Konzepte, die die Church geschaffenen und etabliert hatte, beschwor der ranghöchste Initiat den Fürsten der Finsternis. Dieser gewährte—in seiner ältesten Gestalt als Set—dieses Mandat in Form des Book of Coming Forth by Night, in dem er die Gründung des Temple of Set als Nachfolger der Church anordnete. Der Temple of Set wurde im Jahre 1975 als "non-profit church" (d.h. eine nicht auf Profit ausgelegte Kirche) in Kalifornien gegründet und als solche sowohl vom Bundesstaat Kalifornien als auch der Bundesregierung der Vereinigten Staaten rechtlich wie steuerlich anerkannt.

Die heutige Umgebung

In den Vereinigten Staaten waren die 1960er- und 1970er-Jahre trotz [und teilweise gerade wegen] zeitweiliger psychopolitischer Belastungen wie des Vietnamkriegs eine Zeit, in der Liberalismus und Freiheit in persönlichen Dingen auflebten. Erforschung und Innovation wurden in der Gesellschaft toleriert und gefördert. Es war eine Zeit von Durchbrüchen in den Bürgerrechten, von erhöhtem Respekt für rassische, ethnische, sexuelle und religiöse Gruppen. Es gab Kontroversen; aber im Großen und Ganzen war die Stimmung konstruktiv und fortschrittlich. Gegen Ende der 1970er schien sich die westliche Kultur trotz andauernder Wachstumsschmerzen eindeutig in das utopische "Wassermannzeitalter" begeben zu haben.

Die 1980er jedoch brachten eine einschneidende und überraschende Veränderung dieses Klimas hin zu Konservatismus und Intoleranz. Die primitivsten und fundamentalistischsten Zweige des Christentums sahen neuen Zulauf und strebten nach politischer Macht. Und kontroversielle Minderheiten wurden mit neuen Wellen von Diskriminierung und Unterdrückung attackiert.

Nirgendwohin zielte diese "neue Inquisition" direkter als auf "New Age"-Religionen allgemein und Satanismus im besonderen. Fundamentalisten griffen auf dieselben verachtungswürdigen Taktiken zurück, die ihre Vorgänger über die Jahrhunderte hinweg gegen andere Glaubensbekenntnisse gebraucht hatten, und begannen Hass-Propaganda zu verbreiten, die "Satanismus" der grauenhaftesten Verbrechen beschuldigte, die man sich vorstellen kann: Menschen- und Tieropfer, Kannibalismus, Entführung und sexueller Missbrauch von Kindern, Mord an Kindern. Dass nichts davon auch nur im Geringsten etwas mit der Wahrheit zu tun hatte, störte die Anschuldiger nicht. Wenn man die Große Lüge oft und laut genug wiederholen könnte, würde sie hängenbleiben. Plötzlich wurde es gefährlich, in einer von anti-satanischer Hysterie infizierten Gemeinschaft bekennender Satanist zu sein. Die Hexenjagd breitete sich schließlich auch auf eine Reihe anderer Länder aus, unter anderem nach Großbritannien, Italien, Neuseeland, Australien und Deutschland.

Warum sollte genau die Nachkriegsgeneration, die in der offenen Atmosphäre der 60er/70er aufgewachsen war, einen Rückfall ins finsterste Mittelalter mit seinem Hass und seinen Verfolgungen tolerieren und gar begrüssen? Vielleicht genau deswegen, weil dies eine Generation war, die völlig unvorbereitet für das war, was man den "religiösen Impuls" der Menschheit nennen könnte. In den 60ern und 70ern wurde Religion allgemein als etwas Altmodisches und Obsoletes abgetan: ein Aberglaube, peinlich im Zeitalter von Wissenschaft, Computern und Project Apollo. "Gott war tot", und das Christentum diente nur noch als Ausrede für weihnachtlichen Kitsch und andere Unterhaltungen (wie Jesus Christ Superstar und die "Jesus Freak Revolution" von 1970). Selbst die Gründung der Church of Satan 1966 war irgendwie eine Antiklimax: Sie war keine Antwort auf ein "bedrohliches" Christentum—denn das Christentum schien bereits ein toter Gaul zu sein. Sein Kadaver lag noch da und man konnte wegen des Show-Effekts ein wenig darauf herumtrampeln, aber niemand ging davon aus, dass er die Energie dazu hätte, aufzustehen und zurück zu treten.

Der "religiöse Impuls" stellte sich sowohl für Satanisten wie nicht-Satanisten als bedeutsam heraus. Im Fall der Satanisten führte er zu einem wachsenden Interesse an der Erforschung der "menschlichen Gleichung" und der metaphysischen und psychologischen Wurzeln der großen satanischen/Psyche-zentrischen Philosophien der Geschichte. Selbst wenn Anton LaVey die Krise von 1975 nicht provoziert hätte, liegt es auf der Hand, dass die Evolution der Church of Satan zu etwas wie dem Tempel Sets—einem vollständig nicht-christianisierten, positiven "Hoch-Satanismus"—unausweichlich war.

Nicht-Satanisten, auf der anderen Seite, fanden sich ohne Halt in einer Gesellschaft, deren jüdisch/christliche Moralvorstellungen sich zu materialistischer Scheinheiligkeit aufgelöst hatten. In so einer "kargen Wildnis aus Stahl und Stein" regte sich eine Sehnsucht nach "(irgend)etwas Spirituellem"—und die Überreste des Christentums waren da, um das passende Opium zu bieten, nachdem man die verschiedenen "New Age"-Phantasien ausprobiert und als nicht ausreichend verworfen hatte.

Es gab aber einen Unterschied im christlichen Evangelismus der 1980er. Die neue Herde von Konvertierten hatte keine schrittweise Ausbildung erhalten, die ihr erlaubt hätte, das Christentum wenigstens zu einem gewissen Grad im historischen Kontext zu sehen. Nein, sie erlebte das Christentum als ein völlig neuartiges Erlebnis—und war deshalb viel anfälliger für christliche Propaganda als es die vorherige, weltlichere Generation gewesen war. Das Ergebnis war der Ausbruch eines Fundamentalismus in den 1980ern, der ebenso geistlos und primitiv war wie der des Mittelalters. Heute wie damals brauchte man einen Bösewicht—und "Satanismus" war ein Wort, das sich gerade schlimm genug anhörte. Christliche Fanatiker, die keine Ahnung von wirklichem Satanismus hatten [und haben wollten], schwenkten vor leichtgläubigen Mitläufern die Fahne mit der Personifikation des Bösen und begaben sich auf leidenschaftliche [und finanziell profitable] Feldzüge.

Die Situation wurde verkompliziert durch den ewigen Impuls verstörter Jugendlicher und antisozialer Elemente, die Gesellschaft absichtlich zu schockieren, indem sie sich als ihre Schreckgespenster geben. Wenn prüde Elemente der Gesellschaft sich mit einem Zerrbild des "Satanismus" in Angst und Schrecken versetzen wollten, so würde Heavy Metal Musik genau dieses Bild präsentieren, ebenso wie einige psychotische Verbrecher und Jugendbanden. Fundamentalisten waren schnell zur Stelle, derartiges Fehlverhalten als "Beweis" für die Existenz des Schreckgespenstes darzustellen.

Der Tempel Sets, die bedeutendste satanische religiöse Institution, fand sich in einer zutiefst unangenehmen Situation wieder: Nicht nur mussten wir authentischen Satanismus gegen die schrillen Schreie derer verteidigen, die ein Zerrbild Satans verkauften, sondern es galt auch, die oberflächliche Glorifizierung Satans zurückzuweisen, die das Image des Satanismus wieder zu nichts weiterem als antichristlicher "Teufelsanbetung" reduzieren würde. Wir meisterten beide Herausforderungen, aber nicht ohne einen Preis an Zeit und Energie, die aus den magischen und philosophischen Interessen des Tempels abgezweigt werden mussten.

Am Anfang der 1990er war die ursprüngliche Gefahr im Großen und Ganzen abgewendet. Es war uns gelungen, die Wahrheit über den Satanismus soweit verständlich zu machen, dass die Lügen der Verkäufer des Schreckgespenstes so gut wie überall aufgedeckt worden waren—vom rückständigsten Hinterland der Gesellschaft vielleicht abgesehen. Dieselbe Gesellschaft macht sich jedoch nach wie vor von dem moralischen Anker abhängig, den die großen Massenreligionen anzubieten vorgeben. Die Stärke des Christentums liegt heute, wie in seiner ganzen Geschichte, darin, dass es keinerlei intellektuelle Ausbildung und geistige Anstrengung von seinen Schafen verlangt. Es ist auch ziemlich gut darin, die Furcht der Menschen vor dem Tod, ihre sexuellen Neurosen, ihren Hass und andere irrationale Unsicherheiten auszunutzen.

Das neue Jahrhundert ist daher eine Zeit der Herausforderung für den Tempel Sets. Unsere Philosophie ist höher entwickelt als je zuvor, aber wir verfolgen sie inmitten eines verwirrten, oberflächlichen und paranoiden sozialen Umfelds. Es ist nicht die Aufgabe des Tempels Sets, ein "Retter der Massen" zu sein—sondern geeignete Individuen dazu aufzufordern und sie dabei zu unterstützen, ihre eigene Göttlichkeit zu erkennen und zu erreichen. Die Weisheit, mit der unsere Initiaten diese Göttlichkeit umsetzen, mag entscheiden, ob die Menschheit sich zu den Sternen aufschwingt—oder als ein weiteres bedeutungsloses Kuriosum der Natur in der Entropie des Universums untergeht.

Die Setianische Philosophie

Wenn Bewegungen, die dem Fürsten der Finsternis gewidmet waren, von den Massen der Menschheit stets so wenig toleriert wurden, wo und wann auch immer sie auftauchten—warum haben sie überhaupt überlebt? Warum üben sie immer noch so eine unerklärliche Anziehungskraft aus, und warum sollten Sie sich jetzt überlegen, sich speziell dieser hier zu nähern?

Die Anziehung des Okkultismus ist in vieler Hinsicht dieselbe wie die von konventioneller Religion: Während logischer Positivismus und wissenschaftlicher Materialismus große Fortschritte auf dem Weg gemacht haben, das "Wie" der Existenz zu entschlüsseln, haben sie vollständig dabei versagt, das "Warum" zu erklären. Daher suchen die Neugierigen Antworten in metaphysischer Philosophie oder Religion. Metaphysische Philosophie braucht eine logische Basis, von der verschiedene suprarationale Prinzipien induziert werden. Konventionelle Religion ist eine Vereinfachung einer solchen Philosophie zu einer groben Ideologie, die ihre Anhänger nicht verstehen sondern nur als Akt blinden Glaubens akzeptieren müssen.

Wenn man die bunten Mythologien konventioneller Religionen entsprechend ihrer zugrundeliegenden philosophischen Prinzipien analysiert, repräsentieren sie einfach das primitive Verlangen des Menschen, sich "eins" mit der "universellen Harmonie" zu fühlen, die er um sich herum wahrnimmt. "Weiße" Magie, wie sie von primitiven Heiden und modernen institutionalen Religionen betrieben wird, bietet denen, die sich ihr hingeben, durch verschiedene ritualistische Praktiken und Aberglauben die Illusion einer "Rückführung" in den "universellen Plan der Dinge".

Der Schwarze Magier andererseits erachtet die Union mit dem All nicht als erstrebenswert und lehnt es ab, sich selbst mit dem Ziel, eine derartige Illusion zu erschaffen, zu betrügen. Er hat die Existenz der individuellen Psyche—des "Kern-Selbst" seiner bewussten Intelligenz—erkannt und erfreut sich daran, dass die Psyche als etwas, das nichts anderem im Universum gleicht, existiert. Das Verlangen des Schwarzen Magiers ist, dass diese Psyche lebt, Erfahrungen macht, weiterexistiert. Er will nicht sterben—oder sein Bewusstsein und seine Identität in einem grösseren "universellen Bewusstsein" [mal angenommen, es gäbe so etwas] verlieren. Er will sein. Diese Entscheidung für die individuelle Existenz ist die erste Prämisse des Tempel Sets.

Die zweite Prämisse des Tempels ist, dass sich das Psyche-zentrische Bewusstsein durch die absichtliche und bewusste Anwendung der Intelligenz und des Willens zu seiner eigenen Göttlichkeit hinentwickeln kann—ein Prozess des Werdens, dessen Wurzeln in Platos dialektischer Methode und in Nietzsches bewusster Exaltierung des Willens zu finden sind.

Ironischerweise ist es genau die Leichtigkeit, mit der jedes Individuum seine persönliche Psyche wahrnehmen und schätzen kann, die die vielen Religionen der Welt, die die Macht dieser Psyche leugnen und ablehnen, erschreckt. Mögen sie sich auch in Reichtümer, Rituale und Respektabilität kleiden, so waren und sind sie doch stets vom unterdrückten Wissen um ihre eigene essentielle Falschheit besessen. Sie versuchen, mit einer Zurschaustellung von geistbetäubenden Drogen, Mantras, Messen, Entbehrungen, Unterhaltungen und Bußen die Aufmerksamkeit von dieser Tatsache abzulenken, um ihre Herden von Anhängern in einen verwirrten, beeinflussbaren, aber vertrauensvollen Zustand von Glauben und automatischem Gehorsam zu versetzen. Sie zittern vor Angst vor der Psyche; sie malen sie rot an und verpassen ihr Hörner, gespaltene Hufe und einen geteilten Schwanz, um zu dramatisieren, wie "gefährlich" sie ist. Und doch können sie ihr nie entkommen und sie nie besiegen, denn sie haben es nie wirklich geschafft, sich ihr gegenüberzustellen—lediglich sie zu verzerren und zu pervertieren. Wie könnten sie etwas zerstören, das letzten Endes das bewusste Selbst jedes Menschen ist?

Die "Verehrung" Sets ist damit die "Verehrung" des Individualismus. In der Church of Satan sah man darin Indulgence—sich gehen lassen, Hingabe an alle [legalen] Begierden des Körpers und Egos. Da viele solche Begierden impulsiv und destruktiv sind, fand sich die Church in der unerwarteten und unangenehmen Position wieder, de facto viele Praktiken zu unterstützen, die abwertend statt exaltierend waren, was auch zu den Spannungen beitrug, die in der endgültigen Krise von 1975 resultierten.

Der Tempel Sets beschloss, das Prinzip des Individualismus beizubehalten, aber dazu das evolutionäre Streben nach einem "höheren Selbst" von Aleister Crowleys pre-O.T.O. Thelema-Philosophie hinzuzufügen. Verherrlichung des Egos ist nicht genug; es ist dievollständige Psyche—das ganze Selbst, die ganze Seele—die erkannt, geschätzt und verwirklicht werden muss. Der Prozess, in dem diese Exaltierung der Psyche angestrebt wird, wird als Xeper ["kheffer" ausgesprochen—der hieroglyphische Ausdruck für "werden"/ "ins Dasein gelangen"] bezeichnet.

Die Arten, auf die Setianer versuchen, Xeper umzusetzen, sind vielfältig. Der Tempel lehnt es aus Prinzip ab, seinen Zugang zu den Initiaten zu standardisieren. Es steht jedem frei, die Themen des größten persönlichen Interesses in selbstbestimmter Intensität und Geschwindigkeit zu verfolgen. Der Tempel will nur ein Forum sein, in dem Setianer miteinander kommunizieren und konstruktiv und höflich zusammenarbeiten können. Viele Ideen und Philosophien werden in diesem Forum diskutiert, aber solche Diskussion ist nicht die Vorgabe von Dogma.

In der Tat ist Dogma—fixe Ideologie in jeglicher Form—dem Tempel ein Gräuel. Wir bemühen uns stattdessen um eine Atmosphäre der "bestmöglichen Prämissen", die ständig konstruktiver, intelligenter Untersuchung und Kritik unterworfen sind. Die Atmosphäre ist jedoch gleichzeitig sokratisch—in der Hinsicht, dass dummer, prätentiöser oder destruktiver Egoismus unter dem Deckmantel der Forschung weder respektiert noch geduldet wird.

Während es auf der Hand liegt, dass Setianer mehr als genug Interessen haben, um eine Organisation mit einem Vielfachen der Mitgliederzahl und Ressourcen vollzeit zu beschäftigen, ist es nicht die Intention des Tempels Sets, alle Energien seiner Initiaten aufzubrauchen und ihr Leben vollständig in Anspruch zu nehmen. Da ein wahrer Adept der Magie konstruktiv und mühelos mit der konventionellen Gesellschaft interagieren muss, wäre eine Empfehlung zur klösterlichen Isolation in Tempel-Kreisen der persönlichen Entwicklung nicht zuträglich und würde sogar die Flexibilität des ganzen Tempels beeinträchtigen. Setianer sind daher angehalten, eine möglichst breite Palette weltlicher Interessen zu verfolgen, und setianische Philosophie auf diese nur insofern anzuwenden, als dies angebracht ist.

Setianische Magie

Setianische Initiation beinhaltet das Studium und die Praxis von setianischer Magie, traditionell als "Schwarze Magie" bezeichnet—nicht, weil sie "böse" ist, sondern weil der Magier sie bewusst kontrolliert, statt dass sie unbewusst ihn kontrolliert.

Der Tempel Sets wird Ihnen helfen, zu verstehen, was genau Magie ist—und in der Tat gibt es verschiedene Arten der Magie zu lernen und zu unterscheiden. Magie ermöglicht Ihnen die Beeinflussung und Veränderung von Geschehnissen auf Wegen, die die Gesellschaft weder versteht noch erwartet. Aber genau deswegen müssen Sie, bevor Sie Magie anwenden, zuerst ein fundiertes und hochentwickeltes Verständnis für die Ethik entwickeln, die Ihre eigenen Motive, Ihre Entscheidungen und Ihr Handeln bestimmt. Magie für impulsive, triviale oder egoistische Wünsche zu verwenden ist nicht setianisch. Es muss Ihnen zur zweiten Natur werden, die Konsequenzen dessen, was Sie tun wollen, sorgsam im Vorhinein abzuwägen—und dann den Weg der Weisheit, Gerechtigkeit und kreativen Verbesserung zu wählen.

Struktur und Organisation

Die bewusst individualistische Atmosphäre des Tempels Sets ist mit routinemäßigen, vorprogrammierten Gruppenaktivitäten nicht vereinbar. Es gibt keine Versammlungen treuherziger "Anhänger"—nur kooperative Philosophen und Magier.

Die ausführende Autorität im Tempel hält der Rat der Neun, der sowohl den Hohepriester Sets als auch den Geschäftsführer einsetzt. Initiaten werden nach sechs Graden anerkannt: Setianer(in) I°, Adept(in) II°, Priester(in) Sets III°, Magister/Magistra Templi IV°, Magus/Maga V° und Ipsissimus/Ipsissima VI°.

Die Anerkennung als Adept(in) II° ist die Zertifizierung durch den Tempel, dass jemand die grundlegenden Prinzipien der Schwarzen Magie gemeistert und erfolgreich angewandt hat. Der Großteil der Tempel-Systeme sind auf das Erreichen des II° und in der Folge seine Unterstützung ausgelegt. Der Grad des Adepten ist die Form der Mitgliedschaft, die die meisten Setianer beibehalten werden. Hierin liegt ein organisatorisches Grundprinzip, denn die magische und philosophische Entwicklung jedes Adepten geschieht individuell, je nachdem wie er selbst sie vorantreibt und umsetzt.

Die Grade III°-VI° sind nicht als weitere Messlatten individuellen Erfolges zu sehen sondern als spezialisierte religiöse Ämter, die nur von Set selbst vergeben und im Tempel nach seinem Willen anerkannt werden.

Den Aufbau und die Sorge für den Tempel sowie seine laufende Führung hat Set der Priesterschaft anvertraut. Alle Mitglieder der Priesterschaft sind ursprünglich hochqualifizierte Adepten in den Schwarzen Künsten. Der Großteil Ihres Kontakts mit ihnen wird in diesem Kontext sein. Da sie aber für die Integrität des Tempels als Ganzes verantwortlich sind, haben sie die Autorität, die Kompetenz der Initiaten zu evaluieren und anzuerkennen und, falls nötig, Individuen zu suspendieren oder auszuschließen, wenn diese sich als unfähig erwiesen haben, setianische Standards von Würde und Exzellenz aufrechtzuerhalten. Die Priesterschaft nimmt alle diese Verantwortungen äußerst ernst, da sie ihren Namen wörtlich nimmt und das in sie gesetzte Vertrauen als heilig betrachtet. In dieser Hinsicht unterscheidet sie sich deutlich von den Priestern konventioneller Religionen, die ihre "Priesterschaft" de facto als sozialen Beruf und ihre Götter als bloße Symbole und Metaphern zu ihrem institutionalen oder persönlichen Nutzen betrachten.

Das Wissen des Tempels Sets wird hauptsächlich auf vier Wegen zugänglich gemacht: einer umfassenden Literaturliste von Veröffentlichungen in vierundzwanzig spezialisierten Bereichen; dem Newsletter Scroll of Set ("Schriftrolle Sets"); den Publikationen der verschiedenen spezialisierten Orden des Tempels; und einer Serie von Enzyklopädien, die den Titel Jeweled Tablets of Set ("Juwelene Tafeln Sets") trägt. Die Inhalte der Scroll und der Ordens-Zeitschriften sind natürlich zeitlich datiert, die der Tablets andererseits ändern sich periodisch, wenn Ideen weiterentwickelt, verbessert, oder widerlegt werden; oder wenn sie mehr oder weniger relevant für die Interessensbereiche des Tempels werden. Die Scroll, Ordens-Newsletter, und Tablets sind für die Mitglieder im Intranet zum Download verfügbar; Setianer ohne Internet-Zugang können gedruckte Kopien erhalten.

Aufgrund des nicht-gruppenorientierten Aufbaus des Tempels sind viele Initiaten geographisch weit voneinander entfernt. Dies macht ein organisatorisches Design nötig, das eher auf das Individuum als auf lokalisierte "Gemeinden" ausgerichtet ist. Da der Tempel aber den Wert eines Seminar-Umfelds anerkennt, gibt es "Pylonen" (benannt nach den einzigartigen Toren antiker ägyptischer Tempel). Pylonen sind oft geographisch lokalisiert, es gibt aber auch "Korrespondenz"-Pylonen mit weltweiter Mitgliederschaft und Interaktion. Jeder Pylon ist der Verantwortung eines II°+ Sentinels ("Wächters") anvertraut, Pylonen sind aber ausdrücklich keine "Führer/Anhänger-Gemeinden" sondern kooperative und interaktive Foren für individuelle Initiaten. Es wird von jedem neuen Setianer erwartet, dass er sich innerhalb eines Jahres der Zulassung zum Tempel zumindest einem Pylon anschliesst, und die Anerkennung zum II° wird im Regelfall von diesem Pylon vorgeschlagen und/oder formalisiert.

Individuen, die zum Tempel zugelassen werden, erhalten eine persönliche Kopie des Crystal Tablet of Set, das eine breite Palette von organisatorischer, philosophischer und magischer Information enthält, die für die Qualifikation als Adept relevant sind. Innerhalb des Zeitraums von zwei Jahren muss sich jeder neue Setianer als Adept qualifizieren. Wenn die Anerkennung als Adept II° in dieser Zeit nicht erfolgt, endet die Mitgliedschaft.

Die Orden des Tempels sind in Konzept und Organisation völlig unterschiedlich von seinen Pylonen. Jeder Orden spezialisiert sich in einem oder mehreren Bereichen der magischen Künste und Wissenschaften. Eine derartige Spezialisierung kann transkulturell sein oder sich auf eine bestimmte geographischen Gegend, Zeit oder konzeptuelle Tradition beziehen. Es wird erwartet, dass sich jeder Adept innerhalb eines Jahres nach der II°-Anerkennung einem Orden anschließt, der seinen persönlichen Interessen und Fähigkeiten entspricht. Das Gesamtwissen aller Orden ist der Tempel-Mitgliedschaft als ganzes zugänglich.

Setianer können auch durch ein laufend aktualisiertes Verzeichnis von Kontaktdaten anderer Setianer miteinander kommunizieren. In regelmäßigen Abständen werden auf regionaler, nationaler und internationaler Basis Konklaven abgehalten.

Der Tempel betreibt eine öffentliche Webseite, auf der er der allgemeinen Öffentlichkeit grundlegende Informationen über sich selbst zur Verfügung stellt. Innerhalb des Tempels gibt es ein umfassenderes Intranet—eine interne Website "nur für Setianer", auf die Mitglieder aus der ganzen Welt Zugriff haben. Der Tempel betreibt auch eine Reihe von Internet-basierten Mailinglisten, um Bekanntmachungen, Kommunikation und Diskussion zu vereinfachen.

Die Mitgliedschaft im Tempel wird streng vertraulich behandelt; nur die Priesterschaft weiß von Ihrer Aufnahme. Wenn Sie den Wunsch haben, andere Setianer zu treffen, können Sie das auch unter einem Pseudonym oder magischen Namen tun. Kurz gesagt, Sie können die Dienste und Systeme des Tempels nutzen, wie Sie es wollen und wie Sie meinen, dass es zu Ihrem Xeper am meisten beiträgt; ansonsten werden sie sich Ihnen nicht aufdrängen.

Eine wichtige Klarstellung

Bedauerlicherweise gibt es immer noch Individuen, deren Vorstellung von "Satanismus" hauptsächlich eine einfältige Synthese von christlicher Propaganda und Horrorfilmen aus Hollywood ist. Der Tempel Sets erfreut sich des bunten Erbes der Schwarzen Künste und wir verwenden viele Formen historischer satanischer Bildsprache für unsere künstlerische Stimulation und Ergötzung. Aber ein Interesse oder eine Aktivität, die ein aufgeklärter, reifer Intellekt als unwürdig, sadistisch, verbrecherisch oder abstoßend betrachten würde, kann unserer Arbeit niemals zuträglich oder gar essentiell für sie sein.

Der Tempel Sets ist ein evolutionäres Produkt menschlicher Erfahrung. Diese Erfahrung beinhaltet die magische und philosophische Arbeit von vielen okkulten Individuen und Organisationen, die unsere Vorgänger waren. Einige von diesen waren nach zeitgenössischen oder modernen Richtlinien gesellschaftlich akzeptabel; andere waren das nicht. Einige machten brillante Entdeckungen in einem Interessensgebiet, während sie andererseits ihre Reputation mit schockierenden Exzessen oder tragischem Versagen in anderen Gebieten zerstörten. Wenn wir die geheimen und unterdrückten Ecken der Geschichte nach wertvollem und nützlichem Material durchsuchen, besteht der Tempel auf einer ethischen Präsentation und Verwendung der Entdeckungen, die wir machen. Setianer, die sich bezüglich der Ethik in einem der Bereiche, in dem wir forschen, unsicher sind, sollten den Rat der Priesterschaft einholen. Wir erwarten außerdem von allen Setianern, dass sie in dieser Sache einen hohen Grad an Reife und gesundem Menschenverstand zeigen.

Die Schwarzen Künste sind gefährlich—so wie es gefährlich ist, mit flüchtigen Substanzen zu arbeiten. Dies ist nachdrücklich kein Betätigungsfeld für labile, unreife oder sonstwie emotional oder intellektuell schwache Menschen. Solche sind eine Gefahr für sich selbst und für andere, mit denen sie in Kontakt kommen. Der Tempel versucht, sie gar nicht erst aufzunehmen. Wenn ein solches Individuum dennoch Zutritt bekommen sollte und später aufgedeckt wird, wird es unverzüglich ausgeschlossen. Im Zweifelsfall wird die Beweislast auf den Schultern des Individuums liegen, zum Wohle aller Setianer und der Integrität des Tempels.

Der Tempel Sets betrachtet konventionelle Religionen als prinzipiell fehlerhaft und daher nicht würdig, als gleichwertig betrachtet zu werden. Wir empfinden keine Notwendigkeit dazu, uns mit ihren Aktivitäten zu befassen, oder "diplomatische Beziehungen" irgendwelcher Art mit ihnen zu unterhalten. Unser Standpunkt ist, dass sie aber möglicherweise eine nützliche gesellschaftliche Funktion erfüllen, indem sie den Menschen, die das setianische Niveau des Selbstbewusstseins nicht erreichen können, beruhigende Mythen und Fantasien geben. Daher ignorieren wir konventionelle religiöse Organisationen, solange sie sich nicht in unsere Angelegenheiten einmischen.

Diese Warnungen sind nicht repressiv oder einschüchternd gemeint, aber sie sollten ernst genommen werden. Der Tempel ist ein Forum für das Studium vieler Bereiche, die die konventionelle Gesellschaft als seltsam, mysteriös oder gar äußerst beängstigend ansieht. Der Tempel wird nur solange toleriert werden, wie man weiß, dass er seine Interessen sorgfältig, expertenhaft und verantwortungsbewusst verfolgt. Er nimmt eine delikate Position in einer Welt ein, die größtenteils mit sich selbst unzufrieden und ständig auf der Suche nach Sündenböcken ist. Daher muss der Tempel darauf achten, seine gesellschaftliche Balance mit Umsicht und Würde zu bewahren.

Mitgliedschaft

Die Church of Satan musste erfahren, dass es viele Leute gab, die sie lediglich "besuchen", "studieren" und "beobachten" wollten, ohne die geringste Absicht, sich selbst zu engagieren. Viele Jahre lang war die Church bemüht, solchen Dilettanten entgegenzukommen—unter der Annahme, dass mit dem Studium ihrer Philosophie auch die Erkenntnis einhergehen würde, dass dieses persönliche Engagement von grundlegender Bedeutung ist. Aber sobald diese Personen in einer Position waren, vom "Zubehör" der Philosophie zu profitieren ohne sich mit ihrem Grundprinzip auseinandersetzen zu müssen, begannen sie, wie Vampire die Church auszusaugen. Sie trugen so wenig wie nur möglich bei, nahmen, soviel sie nur konnten, und bildeten letztlich den zerstörerischsten Einfluss, der zur Auflösung der Church 1975 führte.

Der Tempel Sets hat sich entschlossen, nicht den selben Fehler zu machen. Seine Aktivitäten, Publikationen, Dienstleistungen und sein Wissen sind für diejenigen reserviert, die sich ihm anschließen. Ausnahmen kann es auf individueller Basis für Nicht-Setianer, welche die Unterstützung des Tempels erbitten, geben, wenn wir das Anliegen als in unserem Interesse oder im Interesse der Allgemeinheit liegend erachten. Der Erste Grad (I°) der Mitgliedschaft im Tempel wird als "Zeit der gegenseitigen Evaluierung" betrachtet, in dem der Initiat und der Tempel von einem Standpunkt minimalen Aufwands und minimaler Beteiligung einen Eindruck voneinander gewinnen können. Sollte ein I°-Initiat entscheiden, dass der Tempel letzten Endes doch nicht seinen Wünschen oder Bedürfnissen entspricht, so steht es ihm frei, mit unseren besten Wünschen, er möge anderswo Zufriedenheit finden, seines Weges zu ziehen.

Tempel-Anwärter sollten sich im Klaren sein, dass es sich hier nicht um einen Klub oder eine Bruderschaft handelt, deren Prinzipien zusammen mit denen anderer Gesellschaften, okkulter oder sonstiger Natur, gesammelt werden können. Mitgliedschaft im Tempel Sets jenseits des I° schließt die Mitgliedschaft in anderen religiösen Organisationen aus.

Mitglieder oder ehemalige Mitglieder nicht-religiöser okkulter Organisationen werden darauf hingewiesen, dass innerhalb des Tempels Sets von ihnen Respekt für das Protokoll des Tempels und die Einhaltung desselben erwartet wird. Literatur und andere Informationen des Tempels dürfen ohne vorherige Zustimmung der Priesterschaft nicht an Personen oder Organisationen, die nicht dem Tempel angehören, weitergegeben werden. Wenn der Tempel Sets anderen Organisationen oder Personen, die es verdienen, gelegentlich behilflich sein kann, wird er dies gerne tun. Aber er muss bezüglich des Tempelmaterials, das zur Verfügung gestellt wird, angemessene Sorgfalt walten lassen—sowohl damit unsere eigenen Initiaten die Früchte ihrer ehrlichen Arbeit [und der ihrer Vorgänger] genießen können, als auch damit der Tempel Sets weiterhin seine exklusive Reputation in den Disziplinen, in denen er Pionierarbeit geleistet hat, behalten kann.

Sollten Sie ernsthaft erwägen, um eine Aufnahme im Tempel anzusuchen, und Fragen dazu haben, so können Sie sich mit diesen an den Geschäftsführer (Executive Director) des Tempels wenden. Wenn Sie sich für eine Aufnahme als Setianer I° bewerben wollen, stehen Ihnen zwei Wege offen:

  1. Wenn Sie mit einem Priester oder einer Priesterin Sets in Kontakt stehen, können sie ihn/sie bitten, Ihren Antrag zu unterstützen. In diesem Fall schicken Sie einen Brief an den Executive Director, in dem Sie diese Unterstützung anführen. Dem Brief legen Sie einen Scheck, eine Postanweisung oder eine Kredikartenauthorisierung über US$ 80,-. zahlbar an den Temple of Set, bei. [Bitte beachten Sie, dass der Betrag in U.S. Dollar sein muss, entweder auf eine U.S.-Bank gezogen oder übermittelt via internationale Postanweisung (international money order). Alternativ kann er auch über eine Kreditkarte (nur Visa oder MasterCard) abgerechnet werden.] Wenn die Unterstützung des Priesters bestätigt wird, erfolgt die Aufnahme automatisch.
  2. Wenn Sie nicht mit einem Mitglied der Priesterschaft bekannt sind, dann schreiben Sie einen Brief an den Executive Director, in dem Sie sich vorstellen, die Aspekte Ihres Hintergrunds zusammenfassen, die Sie für relevant halten, und Ihre Gründe dafür angeben, warum Sie um Aufnahme in den Tempel ansuchen. Legen Sie das ausgefüllte und unterschriebene Antragsformular und die Aufnahmegebühr/Kreditkartenauthorisierung bei. Der Tempel wird eine Entscheidung treffen und Sie davon in Kenntnis setzen. Falls nötig, wird man Sie um zusätzliche Informationen ersuchen. Sollte Ihrem Ansuchen aus irgendeinem Grund nicht stattgegeben werden, so wird Ihnen die Gebühr selbstverständlich zurückerstattet.

Personen, die ihren Antrag auf diese Weise stellen, sollten in ihrer Selbsteinschätzung so objektiv und aufrichtig wie möglich sein. Es macht keinen Sinn, den Tempel hinsichtlich seiner Eignung zur Mitgliedschaft in die Irre zu führen. Früher oder später wird die Wahrheit ans Licht kommen—womit dies folglich nur vergeudete Zeit für das Individuum wie auch den Tempel wäre. Wenn es entscheidende Punkte einer möglichen Unvereinbarkeit gibt, so obliegt es dem Bewerber, diese vor dem Antrag zu identifizieren, damit sie behandelt und wenn möglich ausgeräumt werden können.

Unabhängig davon, auf welche Weise Sie sich bewerben, stellen Sie bitte sicher, dass Ihr Antrag folgendes beinhaltet:

  1. Ihren vollständigen Namen (keine Pseudonyme) und Ihr Geschlecht.
  2. Ihre vollständige Postadresse.
  3. E-Mail-Adresse (falls vorhanden).
  4. Telefonnummern, an denen Sie tagsüber und abends erreichbar sind.
  5. Kopie eines Ausweises (z. B. des Führerscheins), auf dem Ihr Geburtsdatum ersichtlich ist.
  6. Ihre derzeitige Mitgliedschaft in anderen Organisationen.
  7. Visa/MasterCard-Authorisierung, wenn Sie eine dieser Karten benutzen möchten.

Der jährliche Mitgliedsbeitrag für alle Initiaten ist US$ 80,-. [Für das erste Jahr zahlen Sie nur anteilig ab dem Monat des Beitritts.] Diese Beiträge dienen wie die Anmeldegebühr zur Kostendeckung der Ihnen angebotenen Dienstleistungen und der Verwaltung des Tempels. Es ist ein Grundsatz des Tempels, keinen Profit aus seinen Operationen zu ziehen, und sein Einkommen kommt exklusiv und zur Gänze seinen Initiaten zugute. Es gibt keine anderen regelmässigen oder wiederkehrenden Gebühren, außer dass Orden und Pylonen angemessene Gebühren für ihre Newsletter oder andere zeit- und arbeitsintensive Dienste verlangen können. Besondere Veröffentlichungen und Veranstaltungen des Tempels werden üblicherweise interessierten Initiaten zum Selbstkostenpreis zugänglich gemacht.

Die einzige körperliche Vorraussetzung für die Aufnahme ist ein Mindestalter von 18 Jahren. Personen unter diesem Alter sind zu Aktivitäten des Tempels, zeremonieller oder sonstiger Art, nicht zugelassen, unabhängig ihrer verwandtschaftlichen Beziehungen zu Initiaten. Der Tempel hat kein Kinderprogramm. Es ist unser Standpunkt, dass es falsch ist, Kinder und Jugendliche in den Annahmen und Vorschriften irgendeines suprarationalen Systems zu indoktrinieren, ob das jetzt unsere eigene Philosophie ist oder der Glaube und Aberglaube konventioneller Religionen. Vielmehr sollten ihre Jugendjahre einer rein rationalen Bildung und Erziehung gewidmet werden, um ihnen eine solide und sinnvolle Basis zu geben, auf Grund derer sie als Erwachsene erwägen und entscheiden können, welche Philosophie oder welcher Glauben ihnen am bedeutungsvollsten erscheint.

Wenn Ihre Bewerbung akzeptiert wird, erhalten Sie eine Benachrichtigung aus dem Büro des Executive Director, zusammen mit einer Mitgliedskarte, einem Zertifikat, einem Exemplar des Crystal Tablet of Set und dem Setianer I° Medaillon.

Danach liegt es an Ihnen. Der Tempel Sets ist darauf ausgerichtet, Ihnen auf die Art und Weise zur Seite zu stehen, die sich als die praktischste, produktivste und sachlich genaueste herausgestellt hat. Aber ungeachtet dessen, wie hilfreich der Tempel auch sein mag, und wie stolz wir auch auf ihn sind, so ist er dennoch nur ein Werkzeug. Sie sind derjenige, der dieses Werkzeug einsetzen muss, damit es Ihnen Xeper ermöglicht. Dies ist das Wort des Æons Sets.


Top of page  |  Back to About